Von Januar 2024 bis März 2025 habe ich bei der Hugelshofer Logistik AG in Frauenfeld als Lastwagenchauffeur gearbeitet. Ein grosser Teil des Auftragsvolumen am Firmenhauptsitz in Frauenfeld wird duch die Schweizer Post gestellt, welche eines der drei grossen Paketsortierzentren dort betreibt. Während meiner Arbeit konnte ich dadurch einen interessanten Einblick in die Logistik der Schweizer Post erhalten.

Wie gelangen also Pakete und Briefe täglich bzw. über Nacht von ihren Absender zum Bestimmungsort?
Die Schweizer Post setzt für den Transport der Sendungen sowohl auf die Strasse als auch auf die Schiene, wobei der Transport mittels der Eisenbahn stets an Bedeutung gewinnt. Nicht desto trotz bleibt der LKW gerade für kürzere Strecken und zeitkritische Priority/A-Post essenzieller Bestandteil der Logistik. Seit knapp zehn Jahren verfügt die Post über keinen eignen Fahrzeugpark an schweren Lastwagen mehr; der Aufgabenbereich Transport wurde vollständig an externe Dienstleister ausgelagert, so unter anderem an die Firma Hugelshofer. Eine weitere Veränderung ist der zunehmende Umstieg auf Elektrofahrzeuge. Sowohl die Logistikpartner der Post setzen bei ihren Lastwagen immer mehr auf Elektromobilität, als auch die Post selbst bei den Zustellfahrzeugen.
Dieser Post (kein Wortspiel beabsichtigt…) soll einerseits die Logistik der Post im Allgemeinen erläutern, im weiteren die Rolle, die dabei die Firma Hugelshofer spielt, und zu guter Letzt den zunehmenden Einsatz von Elektrofahrzeugen.
1. Von Paketzentrum zu Paketzentrum
Eine wichtige Komponente für die Logistik der Post auf nationaler Ebene sind die drei grossen Paketsortierzentren, die es landesweit gibt. Eines davon befindet sich, wie bereits erwähnt, in Frauenfeld in der Ostschweiz. Ein weiteres steht in Härkingen bei Olten und befindet sich somit in ungefährer Mitte einer hypothetischen Ost-West-Achse durch das Schweizer Mittelland. Die Westschweiz wird durch ein Zentrum in Daillens bei Lausanne abgedeckt.

Alle drei Zentren verfügen über einen Gleisanschluss mit Verladeterminal. Dabei setzt die Post für den kombinierten Verkehr auf sogenannte Wechselbehälter (z.T. auch Wechselbrücken oder Container genannt, abgekürzt “WB”). Diese Tranporteinheiten ähneln Schiffscontainern und lassen sich sowohl auf Eisenbahnwaggons als auch auf Lastwagen transportieren. Während diese drei Standorte das Rückgrat für den Umschlag und Transport für Postsendungen auf nationaler Ebene bilden, betreibt die Post auch zahlreiche kleinere Standorte, welche von regionaler Bedeutung sind. Einige davon, wie etwa die regionalen Paketzentren in Rümlang und Wallisellen im Kanton Zürich, aber auch die Standorte Untervaz im Bündnerland und Cadenazzo wurden erst in den letzten Jahren gebaut bzw. mit modernen Sortieranlagen ausgerüstet. Diese neuen regionalen Sortierzentren erlauben der Post, die bestehenden grossen Anlagen zu entlasten und durch eine regionale Sortierung Transportwege zu verkürzen. In einer modernen Anlage wie in Rümlang können etwa 5000 Pakete pro Stunde sortiert werden.

2. Hugelshofer
Neben der Sortierung und Bereitstellung der Sendungen ist natürlich auch deren Transport per Bahn und Lastwagen durch die ganze Schweiz ein zentraler Bestandteil der Logistik im Gesamten. Wie bereits erwähnt, besitzt die Post keinen eigenen Fahrzeugpark an schweren Nutzfahrzeugen mehr. In sämtlichen Regionen der Schweiz erbringen verschiedene privatwirtschaftliche Unternehmen Transportleistungen für die Post. Dieser Aufgabenbereich beinhaltet zum einen den Transport der Wechselbehälter zwischen den Paketzentren als auch das Bedienen von grösseren Postfilialen und Firmenkunden im lokalen Radius.
In der Ostschweiz erbringt die Firma Hugelshofer einen grossen Teil dieser Leistungen. Mit einem in unmittelbarer Nähe des Paketzentrums Frauenfeld gelegenen Firmenhaupsitzes verfügt das Unternehmen über beste Rahmenbedingungen für verschiedenste Transportaufgaben im Dienste der Post. So werden z.B. über Nacht Touren von Frauenfeld in die Westschweiz oder ins Wallis gefahren, wodurch zeitkritische A-Post schnellstmöglich durch die ganze Schweiz transportiert werden kann. Eine typische Tour beginnt mit dem Laden (“aufpritschen”) zweier Wechselbehälter im Paketzentrum Frauenfeld. Ein WB findet auf dem Lastwagen Platz, der andere auf dem Anhänger. Die WBs sind bereits vorgeladen mit Sendungen für den Bestimmungsort. Bei Ankunft an der Zieldestination erfolgt nun der nächste Arbeitsschritt: die zwei Container werden abgeladen und zwei andere Container werden als Rückladung geladen.

Der Vorteil des Wechselbrückenverkehrs ist damit einfach zu erkennen: der Transport der Behältnisse erfolgt getrennt von deren Be- und Entladung. Ein Lastwagen kann bereits vorgeladene Container laden, diese am Bestimmungsort für eine spätere Entladung absetzen und andere, ebenfalls bereits vorgeladene WBs für den weiteren Transport laden. Spezielle Umschlagsfahrzeuge (“Wiesel” oder Terberg genannt) übernehmen das Umsetzen der Behältnisse innerhalb eines Paketzentrums. Somit entfällt die Zeitverzögerung durch den Ladevorgang an Rampen. Es gibt zwei gängige Methoden für das Auf- und Abpritschen von WBs: einerseits mit Hilfe eines Krans und andererseits durch das Absetzen und Wiederaufnehmen auf die an jedem Behälter vorhandenen Stützfüsse. Während ersteres einen sehr schnellen Umschlag ermöglicht, ist die zweite Methode ohne weitere Hilfsmittel alleine durch den Fahrer möglich. Dieser Vorgang dauert für einen Anhängerzug mit zwei Wechselbrücken etwa 30 Minuten. Dieses Video zeigt das Aufpritschen zweier Wechselbrücken auf einen Anhängerzug.
Andererseits machen auch Sammeltouren, bei denen gewerbliche Kunden in der Region bedient werden, einen grossen Teil der tagsüber und in den frühen Abendstunden erbrachten Transportleistungen aus. Zu diesem Zweck verfügt Hugelshofer über einige Lastwagen mit Ladebordwand (in der Schweiz auch Hebebühne genannt), was eine Be- und Entladung bei Kunden, die über keine Laderampe verfügen, ermöglicht. Auch für diese Art von Transport werden Wechselbehälter eingesetzt; allerdings erfolgt die Be- und Entladung grösstenteils auf klassische Weise an Rampen durch den Chauffeur und das Personal der Post. Während Wechselbehälter zu einem geringeren Teil auch lose mit Paketen beladen werden, sind die schweizweit einheitlich eingesetzten Rollboxen (“RX”) als Hilfsmittel unabdingbar. In einem WB passen 12 RX, durch deren Einsatz ist eine schnelle Be- und Entladung möglich, auch besteht dadurch eine weitere Möglichkeit zur Sortierung der Sendungen.

Ergänzend zu den Wechselbrücken-Anhängerzügen verfügt Hugelshofer auch über einige Sattelzüge, die für den Post-Transport eingesetzt werden. Bei einigen der Sattelauflieger handelt es sich um sogenannte “Doppeldecker”, welche über zwei Ladeebenen übereinander verfügen. Mit diesen Aufliegern können 36 RX transportiert werden, was einer 1.5-fachen Kapazität eines Anhängerzuges entspricht.

Neben schweren LKWs verfügt Hugelshofer auch über einige Lieferwagen, die für den Posttransport eingesetzt werden. Diese werden ergänzend zum Wechselbrückenverkehr eingesetzt, spezifisch für A-Post die spät in den Postzentren eingeht und daher schnellstmöglich ohne Verladung in Wechselbrücken über Nacht transportiert werden muss. So zum Beispiel werden mit Lieferwagen Kurse vom Bündnerland ins Wallis gefahren, damit auch kurz vor Annahmeschluss aufgegebene Sendungen über Nacht durch die ganze Schweiz geliefert werden können.

Noch vor wenigen Jahren waren dieselbetriebene LKWs das Rückgrat für den Strassentransport der Post. Diese Tatsache hat sich zum Stand heute allerdings bedeutend verändert, es kommen immer mehr Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb zum Einsatz. Dieses Jahr konnte Hugelshofer den 40. Elektro-LKW in Betrieb nehmen, bis 2028 sollen es deren 100 sein.
Um die Batterien der Elektrofahrzeuge während Pausen und Standzeiten effizient aufladen zu können, hat Hugelshofer auf dem Firmenareal einen grossen Ladepark mit 14 Ladesäulen mit jeweils maximal 360 kW Ladeleistung gebaut, wobei insgesamt 30 Anschlüsse und für Lastwagen geeignete Parkplätze zur Verfügung stehen. Ein Teil der verwendeten Energie wird durch die den gesamten Platz überspannende Bedachung mit Photovoltaikanlage gewonnen. Einige Ladeplätze stehen zudem der Öffentlichkeit zur Verfügung und können sowohl von LKWs als auch von PKWs verwendet werden.

Elektromobilität
Wie bereits angetönt ist der Einsatz von Elektrofahrzeugen bereits seit einiger Zeit fester Bestandteil der Logistik der Post und gewinnt immer noch an Bedeutung. Wie bereits erklärt, setzen die Logistikpartner der Post bei ihren Flotten an schweren LKWs immer mehr auf Elektromobilität, aber auch bei der Post selbst spielen Elektrofahrzeuge für die Zustellung von Briefen und Paketen eine grosse Rolle.
Während im Jahr 2010 benzinbetriebene Roller und Mofas im Zustellverkehr der Post noch weit verbreitet waren, wurde die Flotte seither nach und nach auf Elektrofahrzeuge umgestellt. Seit 2017 werden keine benzinbetriebenen Roller mehr eingesetzt. Die zweirädrigen Gefährte, mit denen früher der Postbote Briefe gebracht hatte, wurden durch das dreirädrige Zustellfahrzeug DXP des Schweizer Herstellers Kyburz abgelöst. Dieses bietet mehr Zuladung als ein Roller und kann bei Bedarf auch mit Anhänger betrieben werden. Zudem hat ein Fahrzeug mit drei Rädern einen weiteren grossen Vorteil: es muss nicht bei jedem Stopp aufgebockt bzw. auf einen Ständer abgestellt werden, der Pöstler spart so also einiges an Zeit.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Lieferwagen, die für die Zustellung grösseren Mengen an Paketen eingesetzt werden. 2024 hat die Post den eintausendsten Elektrolieferwagen in Betrieb genommen, insgesamt besass die Post bereits zu diesem Zeitpunkt mit insgesamt 7000 Elektrofahrzeugen die grösste Flotte an Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb in der Schweiz. Ab dem Jahr 2030 beabsichtigt die Post zudem, für die Zustellung von Briefen und Paketen schweizweit nur noch auf Elektrofahrzeuge zu setzen.

Ergänzung 15.11.25:
Auf Nachfrage bei Hugelshofer wurde mir erklärt, dass bei der Schweizer Post Wechselbrücken seit dem Jahr 1999 zum Einsatz kommen. Seit demselben Zeitpunkt hat auch Hugelshofer den Auftrag, diese im Auftrag der Post zu transportieren, wobei die Post auch über eigene LKWs und Anhänger für den Wechselbrücken-Transport besass.

Quelle: von Hugelshofer zur Verfügung gestellt

Quelle: von Hugelshofer zur Verfügung gestellt
Quellen
(thematisch sortiert)
Informationen rund um die Firma Hugelshofer: https://hugelshofer-logistik.ch
Ladepark Hugelshofer: https://hugelshofer-logistik.ch/elektro-schnell-ladepark/
Elektro-LKW Flotte Hugelshofer: https://hugelshofer-logistik.ch/news/der-elektrolkw-unserer-flotte-ist-ein-scania-nd-126.html
Doppeldecker-Auflieger: https://hugelshofer-logistik.ch/news/neuer-%C3%82%C2%ABdoppeldecker%C3%82%C2%BB-bei-hugelshofer-nd-19.html
Elektrolieferwagen Post: https://www.logistikpunkt.ch/de/pages/logistik/2024/der-tausendste-elektrolieferwagen-der-post-ist-im-einsatz
Elektroroller Post: https://www.post.ch/de/ueber-uns/verantwortung/corporate-responsibility/zustellung-per-elektroroller
Kyburz DXP: https://kyburz-switzerland.ch/de/10jahre-DXP-bei-der-post
Auslagerung LKW-Flotte der Post: https://www.watson.ch/schweiz/wirtschaft/615140451-post-loest-3-5-t-lastwagen-flotte-auf-187-stellen-betroffen
Umstellung der Zustellflotte auf Elektroantrieb: https://www.tagesanzeiger.ch/dicke-post-lautstark-zugestellt-702650222187
Logistik und Sortierung Post im Allgemeinen:
https://www.bahnjournalisten.ch/files/anlaesse/publikationen/Post%20auf%20der%20Schiene.pdf
https://www.post.ch/de/geschaeftsloesungen/kombiverkehr
https://www.srf.ch/news/schweiz/paket-boom-im-neuen-zuercher-paketzentrum-geht-die-post-ab
https://www.stattimes.com/news/swiss-post-plans-three-new-regional-parcel-centers-supply-chain
Fotos ohne verlinkte Quelle sind eigene Werke